Olympische Spiele 2038 in der Schweiz – warum das eine riesige Chance ist
- Daniel Beyeler

- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Die Olympischen Spiele gehören zu den wenigen Grossereignissen, die Länder nicht nur sportlich, sondern gesellschaftlich prägen können. Wenn sie richtig gedacht sind. Und genau hier liegt die grosse Chance der Schweizer Kandidatur für 2038.
Ich finde diese Bewerbung richtig gut. Nicht, weil sie spektakulärer sein will als andere. Sondern weil sie klüger ist.
Ein neues Olympia-Modell
Was sich hier abzeichnet, ist kein klassisches „höher, schneller, teurer“. Sondern ein bewusst anderes Modell. Ein Land als Gastgeber. Zehn Kantone. Vierzehn Städte. Bestehende Anlagen. Temporäre Lösungen dort, wo sie Sinn machen. Keine neuen Wettkampfstätten um jeden Preis.
Das ist nicht nur nachhaltig. Das ist vorbildlich.
Dass rund 82 Prozent des Budgets privat finanziert werden sollen, ist dabei ein starkes Signal. Verantwortung übernehmen. Risiken klar verteilen. Und den Staat nicht als automatischen Zahler betrachten. Genau so schafft man Vertrauen in einem Land, das bei Olympischen Spielen traditionell skeptisch ist.
Engelberg, Genf, Crans-Montana – Vielfalt statt Gigantismus
Engelberg als nordisches Zentrum mit einer temporären Normalschanze. Genf mit Eisschnelllauf in der Palexpo-Halle. Crans-Montana für die alpinen Rennen. Das sind Lösungen, die zeigen, dass man nicht für zwei Wochen Beton giessen muss, um Weltklasse-Sport zu ermöglichen.
Ja, selbstverständlich hätte ich die alpinen Ski-Rennen auch gerne im Berner Oberland gesehen. Das wäre emotional stark gewesen. Aber Crans-Montana ist eine hervorragende Lösung. International etabliert. Top Infrastruktur. Und Teil eines Gesamtkonzepts, das überzeugt.
Olympia, wie es zur Schweiz passt
Besonders spannend finde ich den Gedanken, dass erstmals ein ganzes Land Gastgeber ist. Olympia nicht als abgeschottete Blase, sondern als nationales Projekt. Mit Eröffnungsfeier in Lausanne, Schlussfeier in Bern. Mit Wettkämpfen vom Tessin bis ins Engadin. Das passt zur Schweiz. Föderal. Dezentral. Bodenständig.
Und es passt auch zu dem Anspruch, Vorbild für künftige Spiele zu sein. Weniger Gigantismus. Mehr Nutzung dessen, was da ist. Mehr Nähe zur Bevölkerung. Mehr Sinnhaftigkeit.
Jetzt sauber weiterdenken
Natürlich sind noch Fragen offen. Politische Entscheide stehen an. Akzeptanz vor Ort ist entscheidend. Und ja, es braucht weiterhin Transparenz, Ehrlichkeit und Konsequenz in der Umsetzung.
Aber die Richtung stimmt. Sehr sogar.
Wenn das IOC 2027 den Zuschlag erteilt, dann nicht, weil die Schweiz die grössten Versprechen macht. Sondern weil sie zeigt, dass Olympische Spiele im 21. Jahrhundert auch anders funktionieren können.
Und genau deshalb sollten wir diese Chance ernsthaft prüfen und mutig weiterverfolgen.




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