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Die Sportwoche war einmal ein Versprechen

Die Sportwoche war früher kein freundliches Zusatzprogramm. Sie war verbindlich.

 

In meiner Schulzeit ging man entweder ins Skilager oder man musste belegen, dass man mit den Eltern in den Skiferien war. Wer beides nicht tat, besuchte die Schule und absolvierte dort ein Programm aus Unterricht und Sport. Bewegung war kein freiwilliges Angebot, sondern Teil des Bildungsauftrags.

 

Diese Logik hatte nichts mit Nostalgie zu tun. Sie beruhte auf einer einfachen Einsicht: Wer sich als Kind und Jugendliche regelmässig bewegt, wird dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsene tun. Bewegung ist keine Entscheidung, die man später einfach nachholt. Sie ist eine Prägung.

 

Heute ist dieses Verständnis verloren gegangen. In der rot-grünen Stadt Bern werden Skilager nicht mehr finanziert, und die sportliche Aktivität während der Sportwoche hat ihren verbindlichen Charakter eingebüsst. Bewegung ist etwas, das angeboten wird, wenn es passt. Oder gestrichen, wenn es schwierig wird.

 

Skifahren wird zunehmend als elitär etikettiert. Als Freizeitbeschäftigung für privilegierte Familien. Diese Sichtweise verkennt, was Skilager tatsächlich waren. Sie waren kein Luxus, sondern ein Gleichmacher. Alle gingen. Alle teilten sich Zimmer, Kälte, Erschöpfung und Fortschritte. Herkunft spielte kaum eine Rolle, weil der Zugang kollektiv organisiert war.

 

Wer heute argumentiert, Skifahren sei elitär, verkennt den Kern des Problems. Elitär ist nicht das gemeinsame Skilager. Elitär ist ein System, in dem sich nur noch bewegt, wer es sich leisten kann. Wenn sich Stadt, Gemeinde oder Kanton hier zurückziehen, entsteht kein gerechterer Raum. Es entsteht ein System, in dem sich Bewegung immer stärker im Elternhaus entscheidet. Das ist keine soziale Korrektur, sondern das Gegenteil davon.

 

All das geschieht in einem Moment, in dem sich der Alltag von Kindern und Jugendlichen radikal verändert hat. Das Smartphone ist immer dabei. Smartwatches messen Bewegung, ohne sie zwingend auszulösen. Gaming, Streaming und Online Beziehungen ersetzen reale Begegnungen. Räume für spontane, selbstverständliche Bewegung werden weniger, nicht mehr.

 

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Skifahren noch zeitgemäss ist. Sie lautet, wo sich Kinder und Jugendliche heute überhaupt noch regelmässig und gemeinsam bewegen.

 

Eine zeitgemässe Bildungspolitik müsste darauf eine klare Antwort geben. Bewegung darf nicht privatisiert werden. Die Sportwoche braucht wieder ein klares Ziel und einen echten Bewegungsauftrag. Skilager sind dabei kein Selbstzweck, aber ein bewährtes Instrument. Wo sie nicht möglich sind, braucht es gleichwertige, verbindliche Alternativen.

 


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