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Immer Vollgas. Immer fair.

Wie wird ein Mensch zum Helden? Oder zur Heldin? Was braucht es, dass man sich von der Menge abhebt? Dass die Menschen jemanden verehren. Dass man legendär oder unsterblich wird?

 

Ich war ein Kind, als die Formel 1 bei uns zuhause lief. Mein Vater vor dem Fernseher, ich daneben. Zu jung, um alles zu verstehen. Aber alt genug, um zu spüren, dass das etwas Besonderes ist. Diese Geschwindigkeit. Dieser Klang. Diese Männer, die Dinge tun, die eigentlich nicht gehen sollten.

 Ich merkte, dass der da nicht wie die anderen ist.

Der erste, den ich mochte, war Niki Lauda. Weil er anders war. Klar. Eigen. Unbeeindruckt davon, was andere denken. Mich hat das allerdings beeindruckt.

 

Und dann kam Gilles Villeneuve. Plötzlich war es nicht mehr nur Bewunderung. Es war Faszination. Fast schon etwas wie Verliebtheit in seine Art, Sport zu leben. Ich merkte, dass der da nicht wie die anderen ist.

 

Er hatte genau das, was ich bis heute am Sport liebe. Leidenschaft. Herzblut. Siegeswille. Wettkampf. Dieses „Ich will das jetzt“. Nicht irgendwann. Nicht vielleicht. Jetzt.

 

Wenn er ins Auto stieg, dann ging er nicht auf die Strecke, um ein Rennen zu verwalten. Er ging raus, um es anzugreifen. Jede Runde. Jede Kurve. Immer am Limit. Oft darüber. Und trotzdem wusstest du als Gegner: Er lässt dir Platz.

 

Es gibt diese Bilder von ihm. Wie das Auto quer steht, wie es arbeitet, wie es sich fast wehrt. Und er mittendrin. Nicht kontrollierend im klassischen Sinn. Sondern im Dialog mit dem Chaos. Ein bisschen zu schnell. Ein bisschen zu wild. Als würde das Auto jederzeit auseinanderfallen. Und genau deshalb so unglaublich lebendig.

 

Das habe ich geliebt. Weil es nichts Beschönigtes hatte. Kein Kalkül. Kein „ich sichere mir jetzt die Punkte“. Gilles fuhr nicht für Punkte. Er fuhr, um zu gewinnen. Und wenn es nicht zum Sieg reichte, dann zumindest so, dass man es gespürt hat. Du konntest ihm nicht zuschauen, ohne etwas zu fühlen. Er hat aus Rennen Erlebnisse gemacht. Für sich. Für mich. Und für alle, die zugeschaut haben.

 

Er war nicht nur dieser kompromisslose Fahrer. Er war auch ein Mensch, der verbunden war mit den anderen. Freundschaften im Fahrerlager. Respekt. Loyalität. Bis zu dem Moment in Imola 1982, als dieses Vertrauen gebrochen wurde. Sein Teamkollege Didier Pironi hielt sich nicht an eine Abmachung und stahl Gilles Villeneuve den Sieg. Das hat ihn getroffen. Weil ihm Dinge wichtig waren, die über das Resultat hinausgingen.

 

Und dann dieser Samstag in Zolder. Ich habe auf ORF vom Unfall erfahren. Die Kamikaze-Runde, auf der Villeneuve auf den langsam rollenden Mass auffuhr, abhob, sich überschlug und samt Sitz aus dem Wagen geschleudert wurde. Er brach sich dabei das Genick und verstarb.

 

Am nächsten Tag las ich alle Berichte darüber im Sonntagsblick. Und dann ging ich nach hinten in unserer Wohnung, in diesen Gang vor dem Badezimmer. Und mir kamen die Tränen. Einfach so. Ohne Ankündigung. Es war das erste Mal, dass ich wegen eines Menschen geweint habe.

 

Gilles war mehr als ein Name in einer Rangliste. Er war ein Gefühl. Ein Vorbild. Eine Idee davon, wie man etwas macht. Ganz oder gar nicht. An diesem Tag hat die Formel 1 etwas verloren, das man nicht ersetzen kann. Ihr Herz.


Helden sind die, die alles geben.

 

Wenn du heute nach ihm suchst, findest du keine überragenden Statistiken. Keine makellose Karriere. Aber du findest etwas anderes. Schau dir die Videos an. Wirklich. Ein paar Runden reichen. Du wirst sehen, was ich meine.

 

Helden sind nicht die, die alles richtig machen. Helden sind die, die alles geben. Helden verstecken sich nicht. Helden verwalten nicht. Helden spielen nicht auf Sicherheit. Sie gehen raus und sagen: Das ist mein Moment!

 

Das hat mich damals gepackt. Und irgendwie versuche ich genau das heute meinen Mädchen und ihren Lauf-Freundinnen weiterzugeben. Auf der Bahn. Im Training. Bei den Rennen. Sie müssen nicht perfekt sein. Aber mutig. Fair. Voll drin.

 

So wie Gilles.


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