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Milano-Cortina war stark. Jetzt beginnt die Arbeit.

23 Medaillen für die Schweiz. Das ist stark.


Diese Spiele in Milano-Cortina waren für die Schweiz aussergewöhnlich. Man konnte spüren, wie viel Präzision, Disziplin und Leidenschaft in diesen Auftritten steckte. In den entscheidenden Momenten waren unsere Athletinnen und Athleten bereit. Sie haben Verantwortung übernommen, sie haben Nerven gezeigt, sie haben geliefert. Und mit jeder Medaille ist auch im Land etwas gewachsen. Stolz. Zusammenhalt. Aufmerksamkeit.


Olympische Spiele sind selten nur Sport. Sie sind Projektionsfläche. Kinder sitzen vor dem Bildschirm und suchen sich ihre Heldinnen und Helden. Eltern erinnern sich an die eigene Jugend. Vereine bekommen Anfragen von neuen Mitgliedern. Für ein paar Tage steht Bewegung im Zentrum der Gesellschaft. Gerade deshalb lohnt sich der zweite Blick.


Erfolg entsteht nicht im Starthaus oder im Zielraum. Er beginnt Jahre und Jahrzehnte früher. In Jugendriegen, auf Trainingsplätzen, in Turnhallen und auf Anlagen, die vielerorts an ihre Grenzen kommen. In der Schweiz fehlt es in zahlreichen Gemeinden an zeitgemässer Infrastruktur. Fussballfelder sind überbelegt, Hallenzeiten knapp, Leichtathletikanlagen sanierungsbedürftig. Wer heute versucht, für ein Kind einen Trainingsplatz zu finden, merkt schnell, dass die Nachfrage grösser ist als das Angebot.


Parallel dazu wächst der finanzielle Druck. Sponsoring ist anspruchsvoller geworden, Budgets stehen unter Beobachtung, Programme wie J+S geraten immer wieder ins politische Visier. Dabei ist die Rechnung einfach. Jeder Franken, der in Sport und Bewegung investiert wird, wirkt präventiv. Er stärkt Gesundheit, Disziplin, Leistungsbereitschaft und Gemeinschaftssinn. Wer hier spart, verschiebt Kosten in die Zukunft.


Noch leiser, aber ebenso entscheidend, verändert sich das Fundament des Vereinssports. Immer weniger Menschen sind bereit, sich langfristig ehrenamtlich zu engagieren. Präsidentinnen und Präsidenten suchen Nachfolger. Trainerinnen und Trainer tragen mehrere Rollen gleichzeitig. Der Verein ist für viele nicht mehr selbstverständlicher Teil des Alltags, sondern eine zusätzliche Verpflichtung in einem ohnehin verdichteten Leben.


Die Bilanz von Milano-Cortina darf uns deshalb nicht nur stolz machen. Sie sollte uns wach rütteln. Diese 23 Medaillen sind Ausdruck von Talent und Professionalität, aber auch Resultat eines Systems, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein System, das gepflegt werden muss.

Gerade jetzt haben wir eine Chance. Die Aufmerksamkeit ist da. Die Idole sind sichtbar. Ihre Geschichten erreichen Millionen. Wenn wir diesen Moment nutzen, können wir eine neue Bewegung auslösen. Athletinnen und Athleten in Schulen bringen, Nachwuchsprogramme stärken, Infrastrukturprojekte beschleunigen, Vereine unterstützen und die Freiwilligenarbeit wieder als gesellschaftliche Stärke ins Zentrum rücken.


Und wir müssen gross denken. Olympische Winterspiele 2038 in der Schweiz sind mehr als ein sportlicher Anlass. Sie können ein strategisches Projekt sein, das Investitionen bündelt, Innovation vorantreibt und dem Nachwuchs ein Ziel gibt. Als langfristiges Versprechen an kommende Generationen.


Sport ist in unserem Land tief verankert. Er ist Gesundheitsvorsorge, Integrationsmotor, Freiwilligenarbeit und Identität zugleich. Er verbindet Leistungsdenken mit Gemeinschaft. Er bringt Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen und schafft Räume, in denen Regeln gelten und Respekt selbstverständlich ist.


Milano-Cortina 2026 hat gezeigt, was möglich ist. Jetzt entscheidet sich, was wir daraus machen. Wir müssen den Schwung aufnehmen und konsequent in Bewegung investieren. Es ist Zeit für eine neue Phase des Schweizer Sports.


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