Kinder wollen Sport machen. Geben wir ihnen den Platz dazu.
Wir wünschen uns, dass Kinder sich bewegen, Freundschaften schliessen und Teil eines Vereins werden. Doch wenn sie sich anmelden, landen sie auf einer Warteliste. Zu wenig Hallen, zu wenig Plätze, zu wenig Trainerinnen und Trainer. Ein NZZ-Bericht zeigt, wie Sportvereine an ihre Grenzen stossen.
Besonders eindrücklich ist das Beispiel des FC Stade Lausanne-Ouchy: Laut dem Bericht trainieren dort 650 Kinder und Jugendliche. Weitere 600 stehen auf der Warteliste. Fast eine zweite Nachwuchsabteilung, die gerne mitmachen würde, aber keinen Platz findet.
Auch beim Geräteturnen in Schwarzenburg übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich. Beim Schnuppertraining können nur wenige Kinder aufgenommen werden. Entscheidend ist dann bereits bei den Kleinsten die Leistung. Dabei sollte ein sechsjähriges Kind doch erst einmal ausprobieren dürfen, was ihm Freude macht.
Ein Sportverein vermittelt mehr als Technik und Kondition. Kinder lernen, zusammenzuhalten, Rücksicht zu nehmen und nach einer Niederlage weiterzumachen. Sie begegnen Kindern aus anderen Familien und erleben, dass es auf ihren Beitrag ankommt. Dafür brauchen sie weder ein besonderes Talent noch Ambitionen auf eine Sportkarriere.
Die vielen Freiwilligen machen das möglich. Sie stehen nach der Arbeit in der Halle, organisieren Wettkämpfe und begleiten Mannschaften am Wochenende. Aber auch das grösste Engagement schafft keinen zusätzlichen Quadratmeter Hallenboden. Und wo immer dieselben Menschen mehr übernehmen müssen, stösst irgendwann auch ihre Bereitschaft an Grenzen.
Hier ist die Politik gefragt. Wer neue Quartiere und Schulhäuser plant, muss die Sportinfrastruktur mitdenken. Gemeinden sollten gemeinsam mit den Vereinen klären, wo Kapazitäten fehlen, wie bestehende Anlagen besser genutzt werden können und wo es einen Ausbau braucht. Solche Investitionen brauchen Zeit. Gerade deshalb darf man sie nicht jahrelang aufschieben.
Und ausgerechnet in dieser Situation steht auch noch die bundesweite Vorgabe von drei Sportlektionen pro Woche zur Diskussion. Im Rahmen der «Entflechtung 27» soll der Entscheid den Kantonen überlassen werden. Das bedeutet zwar nicht automatisch weniger Schulsport. Es öffnet aber die Tür für Kürzungen.
Das wäre die falsche Antwort auf fehlende Hallen. Wenn die Infrastruktur nicht reicht, müssen wir über die Infrastruktur sprechen. Den verbindlichen Anspruch auf Bewegung aufzuweichen, löst den Mangel höchstens auf dem Papier.
Wer im Verein keinen Platz bekommt, braucht wenigstens in der Schule verlässlich Bewegung. Dort werden alle Kinder erreicht – unabhängig vom Portemonnaie der Eltern, vom Fahrdienst ins Nachbardorf und davon, ob sie ein Schnuppertraining bestehen. Gerade darin liegt der Wert des obligatorischen Schulsports.
Natürlich soll daneben Platz bleiben fürs freie Spielen: auf dem Pausenplatz, im Quartier, auf einer Wiese. Auch dafür brauchen Kinder zugängliche Räume. Freies Spielen, Vereinssport und Schulsport ergänzen sich. Keines dieser Angebote macht die anderen überflüssig.
Deshalb braucht es genügend Raum und Unterstützung für unsere Sportvereine und ein verbindliches Minimum beim Schulsport. Kinder wollen sich bewegen. Die Politik muss dafür die Voraussetzungen schaffen.





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