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Die Dinge, welche wir verpasst haben. 

Erinnerung an das Leben ohne den besten Freund.


„Mäthu ist voraus gegangen.“ Mit diesen Worten informierte mich seine damalige Freundin am Telefon über den Tod von Mathias Ogi. Es war ein Mittwoch-Abend. Die Nachricht kam nicht überraschend. Ein paar Tage zuvor hatten Mäthu und ich die Situation besprochen. Es war ein langer Kampf gegen einen heimtückische Krankheit. Und nie hatten wir die Hoffnung aufgegeben. Aber irgendwann wird auch der stärkste Athlet müde. Und irgendwann ist das Rennen zu Ende. Wir waren beide bereit loszulassen. Mäthu das Leben, ich meinen besten Freund.


Die Zeit heilt alle Wunden. Das tönt salop und ist so nicht ganz korrekt. Denn schmerzhaft ist der Tod von Mäthu bis heute. Aber er wurde weniger dominierend. Vielmehr sind es die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, welche heute überwiegen. Und vielfach ertappe ich mich dabei mir auszumalen, wie die letzten 10 Jahren meines Lebens mit Mäthu gewesen wären. Die Dinge, welche wir verpasst haben.


Viel ist passiert in den letzten zehn Jahren. Und nur zu gerne hätte ich diese Erlebnisse mit meinem besten Freund geteilt. Persönliches, aber auch Ereignisse der Weltpolitik, des Sports oder der Popkultur.


Den Sport haben wir immer geteilt, betrieben und kommentiert. Fünf Olympische Spiele haben seit Mäthus Ableben stattgefunden. Er hätte sich zum Beispiel über die drei Goldmedaillen von Dario Cologna gefreut und mich immer wieder daran erinnert, dass man auch vor dem TV bei der Nationalhymne aufsteht. Oder die Fussballgeschichten, welche der Sommer 2018 schrieb. Sein geliebtes England im Halbfinale der Fussball-Weltmeisterschaften. Und YB wurde endlich Meister.


Sechs Monate bevor Mäthu erkrankte, hatten wir den Masterplan erstellt, der uns 2014/2015 auf den Mount Everest bringen sollte. Eine gemeinsame Herausforderung, ein gemeinsamer Weg zum Ziel. Starten wollten wir mit dem Fründenhorn oberhalb des Oeschinesees. Doch die Diagnose kam uns dazwischen. Ich habe seither keine Bergsteiger-Ambitionen mehr. Das wäre unsere Sache gewesen. Alleine will ich diesem Ziel nicht hinterherjagen.


2012 habe ich geheiratet. Und selbstverständlich wäre mein bester Freund auch mein Trauzeuge gewesen. Aber ich konnte ihn nicht einfach mit dem nächstbesten Freund ersetzen. Aus diesem Grund wählte ich dann einen Aussenstehenden. Doch Mäthu war trotzdem präsent. Vor dem Traualtar stand ich sprichwörtlich in seinen Schuhen.


Wo es mich am meisten schmerzt, dass Mäthu nicht mehr unter uns weilt, ist bei meinen Kindern. Zu gerne hätte ich für meine Zwillingstöchter einen Onkel und Vorbild wie ihn gehabt. Er hätte seine Freude an der rothaarigen, neugierigen und frechen Joli. Und ihm würde es ergehen wie allen in unserem Umfeld wenn Ally lacht. Mäthus Herz würde schmelzen und er würde ihr alles durchgehen lassen.


Zehn Jahre ist es her, seit ich meinen besten Freund verloren habe. Als Homage haben seine Familie und ich die Stiftung Freude herrscht gegründet. Viel haben wir damit erreicht, vielen haben wir damit geholfen. Und zwar hoffentlich jedesmal im seinem Sinne. 


Doch nichts wird den besten Freund jemals ersetzten. Und die Dinge, welche wir verpasst haben.


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